Berliner Zeitung vom 12.November 2007

Berliner Zeitung
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Die Fotografen von "Foen X" feiern Jubiläum in der Galerie Kraftwerk
So kann er aussehen, der Traum vom Berliner Hinterhof, Nähe Jannowitzbrücke:
Drei Stockwerke einer einstigen Fabriketage, hohe, hellgestrichene Wände
voller witziger Momentaufnahmen, ein riesiges Fotostudio, drei Schreibtische
mit Computern, eine kleine Küche. Hier wird geplant, vorbereitet,
schließlich bearbeitet und gesendet oder verschickt, was draußen
in der Stadt - dem Aktionsraum der Fotoagentur "Foen X"- entsteht.
Eva Kinader, Oliver Möst und Florian von Ploetz fanden vor zehn Jahren
zusammen. Seither arbeitet das Trio, das in der soeben erwähnten Reihenfolge
aus Mannheim, Füssen und Hagen stammt und Berlin zur Wahlheimat erkor,
in der freien Kunst wie im Auftrag von Theatern, Museen, Messen, auch für
das Wissenschaftszentrum Adlershof und für Magazine.
Jetzt erfüllen die drei sich noch einen Traum: Zum zehnten Geburtstag
der Agentur stellen sie gemeinsam aus. Die Galerie Kraftwerk im Vorderhaus
ist nicht eben klein, aber für einen Überblick hätte es
wohl eher einer Tennishalle bedurft. Also wurde streng ausgewählt.
Drei Mal Solo an drei Wänden zeigt den jeweils ganz persönlichen
Stil. Eine vierte Wand offeriert das Verbindende. Alle drei fotografieren
mit Vorliebe Stadtraum, Alltag, Landschaften und Menschen. Eva Kinader
hat sich in der Ausstellung für romantische, geheimnisvolle "Seestücke" und "Horizonte" entschieden,
dazu stellt sie in Leuchtkästen expressive Tanzsequenzen aus. Florian
von Ploetz ist ein so sensibler wie zupackender Porträt-Fotograf,
unübersehbar interessiert an Habitus und Gestik, die viel über
einen Menschen verraten. Neugierig fotografierte er namhafte Wissenschaftler,
Schauspieler, Tänzer. Ebenso behinderte Menschen in ihrer Lebensfreude
wie Hilfsbedürftigkeit. Diese Bilder sind voller Würde und auch
Humor.
Oliver Möst, vom dem die beiden anderen sagen, er sei "der Motor" der
Fotografen-Troika, hat Motive ausgesucht, die einem "Fahrtenbuch" entstammen
könnten, das einer führt, der rastlos unterwegs ist, in seiner
Stadt, in anderen Städten und Landschaften. Es sind keine Reportagen,
es sind Bild gewordene Bewegungen - aufgenommen aus ungewöhnlichen
Perspektiven. Diese Großstadtmotive haben eine stark poetische Wirkung.
Und dann fotografierte Möst inzwischen verschwundene Orte: Sitzreihen
eines geschlossenen Theaters und eine Landschaft im Allgäu, in der
einst ein Jugendcamp stand. Nun führt durch die Gegend eine sechsspurige
Autobahn.
"10 Jahre Foen X", Vernissage am 3. März, 19 Uhr in der Galerie
Kraftwerk, Rungestr. 20, bis 26. 3., Do-So 15-20 Uhr Tel.: 27 59 01 36.
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Foto: Kleines Spiel gegen die Zeit? Der Systemforscher Peter W. Wolfert
im Ehrlich- Ensemble des Wissenschaftszentrums Adlershof, fotografiert
von Florian von Ploetz, 2004.







